Inspiration,  Minimalismus

Wie fange ich mit Minimalismus an?

Jeder Mensch kann Minimalismus lernen. Die einzige Voraussetzung ist, dass man es wirklich will. Dann gibt es viele Wege, sich dieser Lebensphilosophie zu nähern.
Betrachte die folgenden Tipps einfach als Inspirationen und such dir den Ansatz aus, mit dem du dich für den Anfang am meisten anfreunden kannst.

Ein Gastbeitrag von Philipp von Wohnen im Kleinformat

Konfrontiere dich mit der Frage „Was brauche ich wirklich im Leben?“

Früher oder später wirst du dich mit dieser Frage konfrontieren müssen, wenn es dir ernst damit ist, minimalistischer leben zu wollen. Warum also nicht gleich mit ihr beginnen?!

Was brauchst du wirklich in deinem Leben, um glücklich zu sein?

Nimm ein Blatt Papier zur Hand und schreib auf, was dir einfällt. Es gibt hier ausnahmsweise auch mal kein Richtig oder Falsch. Was zählt, sind deine individuellen Empfindungen.

Wichtig ist, dass du dir ganz intensiv Gedanken darüber machst und dabei ehrlich zu dir selber bist. Wenn dir viele Dinge in den Sinn kommen, solltest du sie auch alle aufschreiben. Fällt dir wenig ein, ist das genauso in Ordnung.

Es bringt nur nichts, für den eigenen Seelenfrieden so zu tun, als ob man schon ein minimalistischer Mensch wäre, obwohl man bei der Frage in Wahrheit an unzählige Sachen denkt.

Wenn dir diese sehr direkte Variante ein bisschen zu „fortgeschritten“ erscheint, kannst du die Sache auch ein wenig anders angehen: Schreibe alles auf, was in deinem Alltag – einschließlich der Wochenenden beziehungsweise freien Tage – vorkommt.

Jedes noch so kleine Detail verdient eine Notiz, von deinen Einkaufs- und Essgewohnheiten bis hin zu den TV-Serien, die du regelmäßig konsumierst. Das kann natürlich einige Tage in Anspruch nehmen. Mach dir aber bloß keinen Stress, ergänze einfach nach und nach, was dir einfällt.

Ist die Liste deiner Meinung nach vollständig, wird es ernst: Nimm zwei Stifte in unterschiedlichen Farben zur Hand. Markiere die Dinge, die dir WIRKLICH ein positives Gefühl geben, in der einen Farbe, und die Dinge, die du im Grunde nur machst, weil sie halt dazugehören, in der anderen.

Diese Auseinandersetzung mit sich und seinem Leben ist ungemein aufschlussreich und kann etwas Großes bewirken. Man fängt dann bei vielem automatisch an nachzudenken:

  • Muss das jetzt tatsächlich sein?“
  • „Kann ich nicht auch gut ohne XY leben?“
  • „Wäre es nicht besser für mich, wenn ich statt X lieber Y nehmen/machen würde?“

Sobald sich solche Überlegungen in deinen Geist schleichen, bist du mittendrin im Minimalismus-Lernprozess.

Reduziere den Konsum von Verzichtbarem

Wenn dir das umfassende Grübeln für den Einstieg doch zu viel des Guten ist, wählst du eben eine Light-Variante davon: Finde etwas in deinem Alltag oder überhaupt in deinem Leben, das weder deinem Körper noch deinem Geist oder deiner Seele WIRKLICH gut tut, und reduziere es.

Auf Beispiele verzichte ich an dieser Stelle ganz bewusst, weil ich nichts werten will. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass jedem, der ernsthaft etwas verändern möchte, schnell eine Sache oder Tätigkeit aus seinem Alltag einfällt, die für das eigene Wohlbefinden verzichtbar ist und sich somit für die Aufgabe eignet.

Indem du lernst, Gewohnheiten mit geringem oder keinem Nutzen für dein Wohlbefinden weniger Raum zu geben, kommst du dem minimalistischen Lebensstil ein Stück näher.

Es kann eine Weile dauern, bis das klappt. Und mitunter muss man sich auch ein wenig zu seinem Glück zwingen. Aber wenn man dran bleibt, erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man denkt:

Jetzt habe ich das schon so lange nicht mehr gemacht und es fehlt mir kein bisschen.

Das Schöne ist ja auch, dass du durch das Eliminieren von Verzichtbarem mehr Raum für all jenes schaffst, was dein Leben WIRKLICH bereichert. Und das fühlt sich verdammt gut an.

Miste zu Hause knallhart aus

Ausmisten

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die sich mit so theoretischen Überlegungen generell relativ schwer tun und daher „Handfestes“ bevorzugen. Für die bietet sich als erste Annäherung an einen minimalistischen Lebensstil der Klassiker schlechthin an: das Ausmisten zu Hause in der Wohnung.

Nimm dir die Zeit dafür, deine gesamte Wohnung auf den Kopf zu stellen. Räume jeden einzelnen Schrank, jedes einzelne Regal und jede einzelne Aufbewahrungsbox komplett aus. Sieh dir alles genau an und trenne dich von den Dingen, die du nicht mehr brauchst.

Wenn du das von Anfang bis Ende knallhart durchziehst, wird dein materieller Besitz danach mit Sicherheit um einiges kleiner sein – und dein Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit um ein Vielfaches größer.

Übrigens hat die mühsame Aktion auch einen praktischen Nutzen: Durch konsequentes Ausmisten schaffst du Stauraum, der gerade in einer kleinen 1 Zimmer Wohnung immer dringend benötigt wird. Und außerdem kommst du künftig leichter an die WIRKLICH wichtigen Dinge ran.

Hardcore-Challenge: Geh eine Woche lang zum Zelten

Zelten im Wald

Und noch ein Ansatz für praktisch Veranlagte, allerdings mehr für solche, die darüber hinaus bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen und ihren inneren Schweinehund zu überwinden. Eine Portion Abenteuerlust braucht es für diese Challenge auch noch.

Das trifft alles auf dich zu? Dann wage ein kleines Experiment: Verzichte im nächsten Sommer mal auf den bequemen Strandurlaub. Rüste dich stattdessen mit Zelt, Schlaf- und Rucksack sowie den überlebensnotwendigen Basics aus und begib dich auf eine Reise zu dir selbst.

Geh eine Woche lang allein zum Zelten und versprich dir selbst, dass du in dieser Zeit mit den paar Dingen auskommen wirst, die du dabei hast: wenig Kleidung, Deo, Proviant für die sieben Tage, vielleicht noch ein Buch, Notizheft und Stift und natürlich dein Handy für Notfälle und Musik.

Auf einem solchen Naturtrip lernst du mit relativ wenig auszukommen und dazu dich selbst besser kennen. Das Abenteuer hilft dir zu verstehen, wie es sich anfühlt, minimalistischer zu leben.

Dieser Ansatz ist definitiv der härteste, aber zugleich auch der effektivste, wenn du die Schule des Minimalismus schneller durchlaufen willst. Isoliere dich bei deiner Tour, verzichte also am besten auf Social Media und überhaupt Kontakt zu Familie und Freunden.

Die Natur und dein Sein in ihr sollten möglichst die einzigen Dinge sein, die dich an diesen Tagen beeinflussen. So findest du vielleicht heraus, wer du aktuell bist, was für ein Mensch du werden willst und was WIRKLICH zählt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es dir allmählich WIRKLICH damit reicht, ein und dasselbe Wort alle paar Absätze in Großbuchstaben lesen zu müssen. Deshalb beende ich diesen Beitrag nun – aber nicht, ohne noch kurz darauf hinzuweisen, dass dieses so unfassbar aufdringlich eingebrachte Adverb sehr treffend beschreibt, worauf es ankommt, wenn man minimalistischer leben möchte.

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